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125 Jahre Elisabeth Selbert

#125jahreselbert Folge 8

Elisabeth Selbert und ihre Partei

Bereits seit den 1920er Jahren war Elisabeth Selbert für die Sozialdemokratie aktiv und sie ließ an ihrer Treue zur Partei nie Zweifel aufkommen. Als Sozialdemokratin erlangte sie nach 1945 verschiedene parlamentarische Mandate, so wurde sie in die Kasseler Stadtverordnetenversammlung gewählt und gehörte der Verfassungsberatenden Landesversammlung von Groß-Hessen sowie in den ersten drei Nachkriegslegislaturperioden dem Hessischen Landtag an. Sie wurde nicht nur regelmäßig als Delegierte auf Parteitage entsandt, sondern gehörte von 1946 bis 1958 auch dem Bundesvorstand der SPD an. Für eine Frau in der Nachkriegszeit durchaus eine Parteikarriere. Aber es gab auch eine parteipolitische Schattenseite, denn Selbert wurde von ihrer Partei nie genug gefördert. So gehörte ausgerechnet sie als einzige der vier Mütter des Grundgesetzes nicht dem ersten deutschen Bundestag an. 200 Stimmen fehlten ihr auf der hessischen Landesliste. Dieses Vorgehen der Partei schmerzte Elisabeth Selbert sehr – auch wenn sie dies immer wieder zu verbergen trachtete. So schrieb sie ihrem hessischen Parteifreund Holger Börner: „Dem Bundestag habe ich, wie du weißt, nicht angehört, obgleich ich gerade bei den Beratungen der Familiengesetzte, die infolge der Gleichberechtigung anstanden, gerne dabei gewesen wäre, zumal ich sie initiiert hatte.“ 1956 erhielt sie das Bundesverdienstkreuz, als es 1958 anstand, dass eine Frau Bundesverfassungsrichterin werden sollte, setzte sich die eigene Partei nur so zögerlich für Elisabeth Selbert ein, die ihnen anscheinend „politisch zu profiliert“ war, dass sie dieses von ihr angestrebte Amt ebenfalls nicht erhielt. Erst ab den späten 1970er Jahren wurde das Engagement von Selbert auch von ihrer Partei und darüber hinaus wahrgenommen, es kam zu späten Ehrungen: 1978 erhielt sie z.B. die Wilhelm-Leuschner-Medaille, seit 1983 verleiht die hessische Landesregierung den Elisabeth-Selbert-Preis.


#125jahreselbert Folge 7

Elisabeth Selbert und die Frage: In- oder außerhalb von Parteien agieren?

Elisabeth Selbert war selbstverständlich Mitglied der SPD und für sie war es keine Frage, dass der richtige Ort für politisch aktive Frauen eben hier war. Das sahen aber nicht alle Frauen so, vor allem nicht nach dem Zweiten Weltkrieg und der Erfahrung der Übermacht der NSDAP. Um der Parteienfixierung und einer einengenden Parteidisziplin zu entgehen, gründeten sich direkt nach der Befreiung im Frühjahr 1945 unabhängige Frauenausschüsse, die parteiübergreifend und überkonfessionell zusammenarbeiten wollten. Es ist erstaunlich, aber Elisabeth Selbert sah dies zu Beginn mehr als kritisch und versuchte die Mitglieder in diesen Ausschüssen davon zu überzeugen, doch in den Parteien aktiv zu werden. Sie betonte 1946 in einem Aufsatz, dass für sie “die politische Arbeit nicht außerhalb, sondern ganz bewusst innerhalb der Partei” stattfinden müsse. Ansonsten, so Selbert, würden sich Frauen „verzetteln“ und es gäbe die Gefahr, „in ein emanzipatorisches Fahrwasser zu geraten, das naturnotwendig trennend wirken muss.“ Erfolg hatte sie damit an der Basis aber nicht. Interessant ist, dass sie selbst beim Kampf um Art. 3 Abs. 2 dann auf die Frauenausschüsse als Kampfgefährtinnen zurückgreifen musste und sie es nur mit Hilfe dieser Ausschüsse schaffte, die folgenreiche Gleichberechtigungsformulierung im Grundgesetz zu erreichen. Selbert steuerte daraufhin um und betonte die Wichtigkeit dieser frühen feministischen außerparlamentarischen Opposition. Lange hatten diese Ausschüsse jedoch nicht Bestand. Im Laufe der 1950er Jahre beendeten immer mehr ihre Arbeit und auch in den Parteien wurde es ruhig um die aktive Mitarbeit von Frauen. Dies zeigte sich auch am Anteil von Frauen im Bundestag. So saßen im Zweiten Bundestag zwischen 1953 und 1957 lediglich 45 Frauen, was einem prozentualen Anteil von 8,8% entspricht.


#125jahreselbert Folge 6

Elisabeth Selbert in der Zeit des Nationalsozialismus

In einem Interview, das Barbara Böttger mit Elisabeth Selbert Anfang der 1980er Jahre führte, bezeichnet sie es als „Wunder“, dass sie 1934 noch als Anwältin zugelassen wurde. In der Tat kam die Familie Selbert einigermaßen glimpflich durch die nationalsozialistische Zeit. Als engagierte SPD-Mitglieder standen beide sofort unter besonderer Beobachtung, Adam Selbert verlor seinen Beruf und wurde kurzzeitig im KZ Breitenau eingesperrt. Zwischen 1934 und 1945 war es Elisabeth Selbert, die das Familieneinkommen bestritt. Ihre Kanzlei war in Kassel unter der Adresse Königsplatz 42 zu finden – es handelte sich ursprünglich um die Kanzlei der beiden jüdischen Anwälte, Dr. Karl Elias (*22.3.1881) und Dr. Leon Roßmann (22.2.1897). Beide konnten durch die frühzeitige Emigration Repression und Verfolgung entgehen. Sie verkauften ihre Kanzlei an Selbert. Diese Verkäufe waren im Nationalsozialismus waren Teil der Repression, ein schaler Beigeschmack bleibt, denn selten wurde den in einer Zwangslage steckenden diskriminierten Personen ein realer Preis gezahlt. Wie dies bei Selbert war, ist unbekannt und auch im Nachlass finden sich dazu keine Unterlagen. Fest steht: beide Familien überlebten durch ihre frühe Flucht die Shoa. Leon Rossmann emigrierte mit seiner Ehefrau Lina in die USA. Sein Sozius Karl Elias flüchtete mit seiner Frau Franziska Birnbaum und beiden Töchtern Elsbeth und Ruth nach Palästina. In der Bombennacht im Oktober 1943 wurde die Kanzlei komplett zerstört, alle Einwohner:innen des Hauses am Königsplatz „sind in den Kellern umgekommen“ – so Selbert im Interview. Selberts kamen mit dem Leben davon, die Kanzlei allerdings war zerstört. Im Nachlass findet sich eine Liste, was alles vernichtet wurde: von Büchern über Möbel bis hin zu Haushaltsgegenständen wie Eimer und Geschirr auch sämtliche Arbeitsunterlagen wie Sachakten oder Gesetzestexte. ElisabethSelbert sagte über diesen Bombenangriff mit den vielen Toten: „Ich glaube, diese erschütternden Bilder, (…) werden mich bis zu meinem letzten Stündlein nicht mehr loslassen.“

Lebensgeschichtliches Interview, abgedruckt in: Barbara Böttger: Das Recht auf Gleichheit und Differenz. Elisabeth Selbert und der Kampf der Frauen um Art. 3 II Grundgesetz, Münster 1990.


#125jahreselbert Folge 5

Elisabeth Selbert und das Grundgesetz

Am 23. Mai 1949 wurde im Rahmen einer feierlichen Sitzung das Grundgesetz für die Bundesrepublik verabschiedet und damit der neue Staat gegründet. Im Grundgesetz enthalten, Art. 3 Abs. 2: Männer und Frauen sind gleichberechtigt. Heutzutage liest man, auch auf seriösen Seiten, dies wäre ein Erfolg der vier Frauen im Parlamentarischen Rat gewesen, die sich alle gleichermaßen für die Gleichberechtigung eingesetzt hätten und sich damit gegen die Männer durchgesetzt hätten. So logisch dies klingt, so falsch ist es.

Die Überlegung, die unumschränkte Gleichberechtigung im Grundgesetz festzuschreiben war eine Forderung, die aus den Reihen der SPD kam und die nach einer harten Debatte von allen Mitgliedern dieser Partei im Parlamentarischen Rat vertreten wurde. Die der SPD entgegen stehenden Parteien wie die CDU, das Zentrum oder die FDP unterstützten diese Forderung nicht und auch die Frauen in diesen Fraktionen, also Helene Weber und Helene Wessel lehnten die Gleichberechtigung der Frau erst einmal ab. Erst als sich im Hauptausschuss abzeichnete, dass doch alle Parteien die Forderung der SPD unterstützen würden, signalisierten auch die beiden Helenes ihre Zustimmung. Also: Kein Kampf DER Frauen gegen DIE Männer.

Möglich geworden war dieses Umschwenken der anderen Parteien durch einen zähen und strategischen Kampf der Kasseler Juristin Elisabeth Selbert. Diese, auch dies liest man immer wieder, hätte es durch eine kluge Kampagnenarbeit geschafft, dass viele engagierte Frauen sich für die Gleichberechtigung beim Parlamentarischen Rat eingesetzt hätten. Es wäre so viel Post zusammen gekommen, dass diese in Waschkörben in den Rat „hineingeschüttet“ wurde. Ein schönes Bild – aber sehr wahrscheinlich auch falsch. Nach intensiven Recherchen konnten an die 50 Schreiben ermittelt werden, zu wenig für die berühmt gewordenen Waschkörbe. Es spricht sehr für das politische Geschick und die gelungene Rhetorik von Elisabeth Selbert, dass sie es trotz dieser ungünstigen Ausgangslage geschafft hat, die SPD-Forderung nach Gleichberechtigung der Geschlechter durchzusetzen.


#125jahreselbert Folge 4

Elisabeth Selbert und die Hessische Verfassung

Elisabeth Selbert war eine derjenigen, die sofort nach der #Befreiung Deutschlands von der nationalsozialistischen #Diktatur politisch wieder aktiv wurde. Die Sozialdemokratin wurde sowohl in die Stadtverordnetenversammlung für #Kassel als auch in die Verfassungsberatende Landesversammlung gewählt. Auch dem #HessischerLandtag gehörte sie ab 1946 für 12 Jahre an.

In der Landesversammlung setzte sich #ElisabethSelbert für viele Themen ein: Gewaltenteilung im neuen Land, Versammlungsrecht, #Freiheit der Person und Ächtung des Krieges. Auch die Gleichberechtigung der Geschlechter wurde in der Landesversammlung diskutiert, aber nicht explizit festgeschrieben. Stattdessen wurde formuliert: „Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich, ohne Unterschied des Geschlechts, der Rasse, der Herkunft, der religiösen und der politischen Überzeugung.“ Warum interveniert Selbert hier nicht? Eine Biografin vermutet, dass Selbert zu diesem Zeitpunkt noch nicht erkannt hatte, dass die explizite Festschreibung der #Gleichberechtigung ein Hebel sein konnte für die Reformierung des frauenfeindlichen Bürgerlichen Gesetzbuches. Vielleicht ging sie aber auch stillschweigend davon aus, dass die Gleichberechtigung selbstverständlich war und sie deswegen keine Notwendigkeit sah, diese festzuschreiben?

Die Hessische #Verfassung trat durch eine Volksabstimmung 1946 in Kraft – ohne explizite Hinweise auf Gleichberechtigung. Dies wurde aber nachgeholt: 2018 wurde die Hessische Verfassung in 15 Punkten geändert. Mit 88,6 % stimmten die Wahlberechtigten dafür, auch die Gleichberechtigung der Geschlechter festzuschreiben. Was zeigt uns das? Auch Selbert erkannte erst mit der Zeit, dass es nötig war, die Gleichberechtigung glasklar zu formulieren, damit die „Gleichberechtigung [nicht] immer noch nur eine papierne ist“, wie sie schon 1920 formuliert hatte.

 


#125jahreselbert Folge 3

Elisabeth Selbert und der Internationale Frauentag

 

 

Der 8. März – Internationaler Frauentag war und ist für viele politisch aktive Frauen ein ganz besonderer Tag. In Berlin gilt er seit 2019 sogar als gesetzlicher Feiertag. Aber war er auch für Elisabeth Selbert so besonders? Ja – und das ist auch kein Wunder! Denn dieser Tag war als „Kampftag um das Frauenwahlrecht“ von der Sozialistin Clara Zetkin 1910 ins Leben gerufen worden, war also ein sozialdemokratischer/sozialistischer Tag.

Was aber machte Elisabeth Selbert am Internationalen Frauentag? Sehr wahrscheinlich war dieses Datum für sie immer schon wichtig gewesen, denn auch in der Weimarer Republik wurde es begangen. Aus ihrem Nachlass wissen wir, dass der Frauentag 1947 für Selbert sehr bedeutungsvoll war. In diesem Jahr wurde nämlich die Tradition des Frauentages nach seinem Verbot unter den Nationalsozialisten wieder aufgegriffen und es war Elisabeth Selbert, die ihn für die gesamte Region Nordhessen gestaltete. Ihr Hauptarbeitstag war dabei der 15. März – ein Samstag. An diesem ging es offiziell um 15 Uhr los. Sie hatte zusammen mit ihrer Partei zu einer Großkundgebung in Kassel aufgerufen und es kamen fast 1.000 Menschen zusammen. Das Hauptreferat hielt die Kasseler AWO-Mitgründerin Käthe Richter.

In einem Brief, der sich in ihrem Nachlass findet, schrieb Selbert an die SPD-Frauensekretärin Herta Gotthelf, dass die Veranstaltung in Kassel „ein großer Erfolg“ war. Damit aber noch nicht genug: Am gleichen Tag waren die Organisatorinnen noch um 19 Uhr in Großalmerode und um 20.30 Uhr in Witzenhausen tätig. Einen Tag später, am Sonntag, folgten Reden in Sontra, Bebra, Lispenhausen, Hersfeld, Nentershausen, Ronshausen und Rotenburg. Dabei wurde Selbert von Marianne Gründer, Minna Hoffahrt und Käthe Richter unterstützt, alles erfahrene Genossinnen und langjährige Weggefährtinnen. Ganz zufrieden war Selbert mit diesem ersten Nachkriegs-Frauentag noch nicht. „Ich muss sagen“, so Selbert, „dass vieles mir noch nicht gefällt und im nächsten Jahr besser ausgestaltet werden muss.“ Wir sind uns sicher, dass sie diese Verbesserungen 1948 umgesetzt hat.


#125jahreselbert Folge 2

Elisabeth Selbert: Eine Juristin aus einfachen Verhältnissen

 

 

Als Martha Elisabeth Rohde am 22. September 1896 in Kassel als zweite Tochter des „Gefangenenaufsehers“ Georg Rohde und seiner Frau Elisabeth Sauer geboren wurde, war es alles andere als selbstverständlich, dass sie einmal als selbständige Anwältin mit eigener Kanzlei arbeiten würde. Wie das Adressbuch von 1896 verrät, kam die Familie mit dem Wohnsitz in der Unterneustadt in der Wallstraße 6, einem großen Mietshaus mit 16 anderen Parteien, aus einfachen Verhältnissen. Eine lange Ausbildung der vier Töchter konnte sich die Familie nicht leisten.

Nach dem Besuch der Volks- und Realschule, die Elisabeth ohne Abschluss verließ, besuchte sie die Gewerbe- und Handelsschule des Casseler Frauenbildungsvereins. Damit profitierte sie von einer der renommiertesten Mädchenschulen Kassels, die noch heute als Elisabeth-Knipping-Schule existiert. Die Gründerinnen der Schule wollten in der Mitte des 19. Jahrhunderts eine eigenständige Berufstätigkeit von Frauen fördern, um damit jungen Frauen eine andere Perspektive zu eröffnen. Dank dieser Ausbildung fand Elisabeth Rohde eine Stelle als Fremdsprachensekretärin; ab 1916 war sie im Telegrafendienst der Post tätig. Hier lernte sie ihren späteren Ehemann Adam Selbert kennen, das Paar heiratete 1920.

 

Während ihres Engagements für die SPD merkte Elisabeth Selbert schnell, dass ihr eine fundierte Ausbildung fehlte. Die Mutter zweier Söhne (geb. 1921 und 1922) entschloss sich, ein Jurastudium aufzunehmen. Dafür holte sie 1926 zunächst ihr Abitur nach und begann im gleichen Jahr ihr Studium in Marburg. In der Regelstudienzeit von sechs Semestern schloss sie ab, im siebten verfasste sie ihre Dissertation zum Thema „Ehezerrüttung als Scheidungsgrund“. Eine für die Zeit sehr revolutionäre Forderung, denn die damaligen Scheidungen konnten immer nur erfolgen, wenn einer der Beteiligten die Schuld auf sich nahm und damit auf den wichtigen Versorgungsausgleich verzichtete. 1930 erhielt sie ihren Doktortitel und wurde 1934 als eine der letzten Frauen als Anwältin zugelassen.


#125jahreselbert Folge 1

Eine Kasselerin für die Gleichberechtigung der Geschlechter

 

 

„Der klare Satz, ‚Männer und Frauen sind gleichberechtigt‘ ist so eindeutig, dass wir ihn nicht negativ umschreiben brauchen.“ (Elisabeth Selbert 1948 im Parlamentarischen Rat)
 

Als am 18. Januar 1949 die Gleichberechtigung der Geschlechter (Art. 3 Abs. 2 Grundgesetz) einstimmig im Hauptausschuss des Parlamentarischen Rates angenommen wurde und dadurch im Grundgesetz verankert wurde, war der Grundstein für eine geschlechtergerechtere Gesellschaft gelegt. Dabei war dieses Ergebnis alles andere als selbstverständlich, denn noch im Dezember 1948 war eben diese klare Formulierung im Hauptausschuss mehrheitlich abgelehnt worden. Nur durch Beharrlichkeit, Entschiedenheit und politische Klugheit gelang es Elisabeth Selbert, die Blockade im Parlamentarischen Rat zu durchbrechen und die Forderung nach Gleichberechtigung durchzusetzen. Dies gelang ihr auch deshalb, weil sie frauenpolitisch gut vernetzt war und durch Hertha Gotthelf, die Frauensekretärin der SPD, eine tatkräftige Unterstützerin an ihrer Seite hatte.

 

Elisabeth Selbert, die einen Tag nach der Annahme des Art. 3 Abs. 2 im Hauptausschuss eine Radioansprache hielt, sprach von der „Sternstunde ihres Lebens“. Vor allem eines wollte sie: die Basis für eine grundlegende Veränderung der Stellung der Ehefrau im frauenfeindlichen Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) erreichen. Elisabeth Selbert fragte dazu ihre Hörer:innen in der Radioansprache: „Wissen überhaupt die meisten Frauen, wie rechtlos sie sind?“
 

Bis heute hat der Art. 3 Abs. 2 nichts von seiner Aktualität verloren. So verweisen viele Gesetzesvorhaben, die sich mit der Stellung von Männern und Frauen in der Gesellschaft beschäftigen, auf die Gleichberechtigung im Grundgesetz. Auch die Forderung nach Parität in der Politik, d.h. die Idee, dass Männer und Frauen gemäß ihres Anteils an der Gesellschaft in politischen Gremien vertreten sind, greift auf diesen Grundsatzartikel zurück. Nicht auszudenken, wo die Gesellschaft und vor allem die Frauen heute stünden, wenn Elisabeth Selbert sich 1949 nicht hätte durchsetzen können! An diesen geschichtsträchtigen Einsatz möchten wir erinnern und unsere Ehrenbürgerin gebührend feiern.

Ansprechpartnerin

Laura Schibbe