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Ariadne 76: Der Kongress tanzt - Nicht!

Inter/nationale Kongresse waren von je her von großer Bedeutung für die und in der Geschichte der Frauenbewegung. Ein Dreh- und Angelpunkt dieser Netzwerke waren (internationale) Kongresse, insbesondere das dritte Treffen des 1888 gegründeten »International Council of Women« (ICW, dt: Internationaler Frauenbund) in Berlin. Dieser Kongress reihte sich ein in eine Reihe von (internationalen) Treffen, machte aber den der Frauenbewegung Fernstehenden deutlich, dass »die vereinte Kraft tüchtiger Frauen Veranstaltungen schaffen kann, die in Bezug auf Organisation, wissenschaftliche und rhetorische Leistungen sich den glänzendsten Kongressen von Männern zur Seite stellen können«, so die Mitorganisatorin Alice Salomon.2 Um der Bedeutung dieses und anderer Vernetzungstreffen eine angemessene Aufmerksamkeit zu geben, widmet sich die aktuelle »Ariadne« dem Thema »(Internationale) Frauen-Kongresse« und beleuchtet deren gesellschaftliche Bedeutung. Denn – um ein Diktum von Joachim Raschke abzuwandeln – »ein Kongress über den nicht berichtet wird, findet (in der Öffentlichkeit) nicht statt«.3

 

Kongresse haben immer zwei Richtungen – sie wirken nach innen und nach außen. Nach innen ermöglichen sie die Diskussion wichtiger Ziele und die Verständigung auf eine inhaltliche Linie, nach außen machen sie Werbung für die eigene Bewegung und ihre Anliegen. Wie aber wurden Frauen-Kongresse in der früheren journalistischen Berichterstattung behandelt? Was bedeuteten sie für die Internationalisierung der Frauenbewegung und wie wirkten sie sich auf nationaler Ebene aus? Wie lange wurden die Themen der Frauenbewegung diskutiert, bis sich auch wirklich etwas änderte? Welche Auswirkungen hatte der Erste Weltkrieg auf die internationalen Treffen und wie sahen die interzonalen Frauenkongresse in der direkten Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg aus? Wie gingen die Akteurinnen mit der späteren Spaltung in BRD und DDR um? Welche Rolle spielten Frauenkongresse bei der Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten? Und wie werden diese Zusammenkünfte heutzutage von der Frauenbewegung genutzt und umgesetzt?

 

Unsere Autorinnen verdeutlichen mit ihren Artikeln eindrucksvoll, dass Frauen sich aus den unterschiedlichsten Anlässen, oft unter schwierigen Umständen, im großen und im kleineren Rahmen, immer wieder zusammenfanden, ihre Anliegen diskutierten, sich vernetzten, um damit das, was Frauenbewegungen ausmacht, weiter zu tragen.

 

Ariadne 76 – Der Kongress tanzt – Nicht! Frauenkongresse als Orte der Kommunikation, Politik und Vernetzung. Mit Beiträgen von Dagmar Jank, Magdalena Gehring, Angelique Leszczawski-Schwerk, Cordelia Scharpf, Mona Siegel, Marion Röwekamp, Helke Dreier, Jessica Bock, Anna Maria Schmidt, Heidi Meinzolt und Adelheid Schmidt-Thomé.

 

1 Eva Schöck-Quinteros u. a. (Hg.): Politische Netzwerkerinnen. Internationale Zusammenarbeit von Frauen 1830-1960, Berlin 2007.
2 Alice Salomon: Der Internationale Frauenkongress, in: Soziale Praxis, 13. Jg., 1904, Sp. 1041.
3 Eigentlich: »Eine Bewegung, über die nicht berichtet wird, findet nicht statt.« Joachim Raschke: Soziale Bewegungen. Ein historisch systematischer Grundriß, Frankfurt a. M./New York 1988, S. 343.

 

Ansprechpartnerin

Dr. Kerstin Wolff

 

Redaktion

Dr. Anja Schüler und Dr. Kerstin Wolff

Erschienen

Juli 2020