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ADDF - Kassel

Vorschau

Ariadne 75: Gleichberechtigung als Prozess

Redaktion: Prof. Dr. Ulrike Lembke, Laura Schibbe, Dr. Kerstin Wolff
Erscheinungstermin: Juni 2019

  • Susanne Abeck
    „Auf der Suche nach einer geeigneten Frauenvertreterin.“ Konditionen, Akteurinnen und Stationen der Frauenwahlrechtsbewegung im Ruhrgebiet

  • Sabine Berghahn
    Gleichberechtigung in Deutschland

  • André Dechert / Susanne Kinnebrock    Care – ein höchst ambivalentes Legitimationsmuster für Gleichberechtigung

  • Valérie Dubslaff
    Der Kampf um die politische Gleichberechtigung in der extremen Rechten: der Ermächtigungskampf der NPD-Frauen

  • Karin Gille Linne  
    Die Formulierung des Artikel 3 Abs. 2 und die Diskussion zur DDR-Verfassung

  • Katharina Hoffmann
    Das indische Frauenarchiv Sparrow und die Arbeit an der Gleichberechtigung

  • Sarah Kiani
    Zur Gleichberechtigung in der Schweiz

  • Anja Schröter
    Der lange Atem der „inneren Emanzipation“ – Ostdeutsche Frauen und der Ehegattenunterhalt

  • Manuela Seifert
    Alibi für die Gleichberechtigung? Soldatinnen in der Nationalen Volksarmee

  • Lara Track
    Frieden vernetzt. Wie die transatlantische Frauenfriedensbewegung der frühen 1960er Jahre den Prozess der Gleichberechtigung in Westdeutschland beeinflusste

Vorschau

Ariadne 76: (Inter)nationale Frauenkongresse –
Zusammenarbeit, Abgrenzung und öffentliche Wahrnehmung

Erscheinungstermin: Mai 2020

Im Sommer 1904 trafen sich in der Berliner Philharmonie einige hundert Delegierte aus den sechzehn Mitgliedsländern des Internationalen Frauenbundes (International Council of Women, ICW). In zwanzig verschiedenen Sektionen diskutierten sie Fragen der Frauenbildung, der rechtlichen Stellung von Frauen, der weiblichen Berufstätigkeit sowie das weite Feld ihres sozialen Engagements. Öffentliche Abendveranstaltungen mit prominenten Rednerinnen wie der österreichischen Pazifistin Bertha von Suttner oder der amerikanischen Ökonomin Charlotte Perkins waren schon Stunden vor Beginn bis auf den letzten Platz besetzt. Dieser internationale Kongress zog in vieler Hinsicht weite Kreise; er bewies zum einen, wie Alice Salomon, eine der Mitorganisatorinnen, betonte, "daß die vereinte Kraft tüchtiger Frauen Veranstaltungen schaffen kann, die in Bezug auf Organisation, wissenschaftliche und rhetorische Leistungen sich den glänzendsten Kongressen von Männern zur Seite stellen können."[1] Zum anderen wurde die deutsche Frauenbewegung nach diesem 'glänzenden' Kongress geradezu gesellschaftsfähig; zumindest nahmen jetzt "die offiziellen Kreise Berlins die Existenz von progressiven, akademisch gebildeten und arbeitenden Frauen zur Kenntnis."[2] Der Kongress in Berlin war nicht der erste seiner Art, wenn auch der erste Frauenkongress dieser Dimension in Deutschland. Wie schon seine Vorgänger in Chicago 1893 und London 1899 diente er dem Knüpfen von Netzwerken in den Frauenbewegungen; viele ihrer Mitglieder schätzten solche Veranstaltungen vor allem wegen der Möglichkeit, neue Kontakte aufzubauen. Selbst Gertrud Bäumer, die 1910 Marie Stritt als Vorsitzende des Bundes deutscher Frauenvereine (BDF) ablöste, anders als diese aber vom Nutzen internationaler Frauenorganisationen nicht immer überzeugt war, äußerte sich nach dem Berliner Kongress enthusiastisch: "[W]ie schnell entstand jene Atmosphäre des gegenseitigen Sichkennenlernens und Findens, die in wenigen Stunden so schöne Beziehungen schuf."[3]

Der Kongress in Berlin verdeutlicht exemplarisch, welche Möglichkeiten und Chancen solche großen Treffen für die Bewegung boten, aber auch, welche Risiken in ihnen verborgen waren. Denn trotz des glänzenden Erfolges, der der Öffentlichkeit präsentiert wurde, gab es im Hintergrund Debatten darüber, wann welche Person wo was sprechen konnte oder sollte, wer eingeladen wurde und wer eben auch nicht. Kongresse werden so verstanden auch zu Orten der Herstellung einer hegemonialen Deutung der gemeinsamen Bewegung.

Neben diesen internationalen Großereignissen standen aber auch nationale Tagungen und Kongresse, auf denen bestimmte Themen gemeinsam erarbeitet, bzw. Agitationen der Bewegung geplant wurden.

Die Ariadne – Forum für Frauen- und Geschlechtergeschichte möchte sich mit Heft 76 diesen spezifischen Orten (inter)nationaler Zusammenarbeit zuwenden.

[1] Alice Salomon: Der Internationale Frauenkongress, in: Soziale Praxis, 13. Jg., 1904, Sp. 1041.
[2] Alice Salomon: Charakter ist Schicksal, Weinheim 1983, S. 81.
[3] Gertrud Bäumer: Eindrücke vom Internationalen Frauenkongress, in: Die Frau, 11. Jg., 1903/04, S. 578.

 

Ansprechpartnerin

Laura Schibbe