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Band 8
Gilla Dölle/Cornelia Hamm-Mühl/Leonie Wagner: Damenwahlen. Die weiblichen Stadtverordneten in Kassel 1919-1933, (Schriftenreihe des Archivs der deutschen Frauenbewegung, Bd. 8), Kassel 1992, 112 S., Abbildungen, ISBN 3-926068-08-6



Info:

"Ein Gedanke ... hat meine besondere Beachtung gefunden: nämlich der, daß wir zwar heute die Gleichberechtigung für unsere Frauen haben, daß aber diese Gleichberechtigung immer noch eine rein papierne ist. Wir müssen nun dahin wirken, daß die Gleichberechtigung in der Praxis bis zur letzten Konsequenz durchgeführt wird liegt mir fern, unseren Parlamentariern und Parlamentarierinnen einen Vorwurf zu machen; aber alle Körperschaften müssen einen subjektiven weiblichen Zug bekommen."
(Elisabeth Selbert, 1920, zit. nach: Barbara Böttger: Das Recht auf Gleichheit und Differenz. Elisabeth Selbert und der Kampf der Frauen um Artikel 3.2 Grundgesetz, Münster 1990, S. 131)

Aus dem Vorwort
Die Gleichberechtigung der Frau, von der die "Mutter des Grundgesetzes" der Bundesrepublik Deutschland, Elisabeth Selbert, 1920 auf der Frauenkonferenz der Sozialdemokratischen Partei (SPD) in Kassel sprach, war zum Zeitpunkt ihrer Rede noch sehr jung. Erst die revolutionären Ereignisse am Ende des Ersten Weltkriegs und die Weimarer Verfassung brachten den Frauen ihr gesetzlich verankertes Recht auf Gleichheit und damit endlich auch das Wahlrecht.

Im März 1919 fand dann die erste Kasseler Stadtverordnetenversammlung statt, an der auch sechs weibliche Abgeordnete teilnahmen. Bis 1933 sind es insgesamt fünfzehn Frauen gewesen, die als gewählte politische Vertreterinnen die Belange der Stadt und ihrer Frauen wahrgenommen haben. An diese Pionierinnen auf dem parlamentarischen Parkett Kassels erinnert in der Stadt bisher fast nichts.

Mit der Erforschung von regionaler Frauengeschichte wuchs auch das Interesse am Leben und der Arbeit dieser Frauen. Als wir begannen, wollten wir unseren Fragen an die erste Generation der Kommunalpolitikerinnen nachgehen: Wer waren die Frauen, die sich als erste ins Parlament wagten? Wie begriffen sie ihre Rolle als Politikerinnen? Hat sich die Politik durch ihre Mitwirkung verändert und haben sie etwas für die Frauen erreicht? Welche persönlichen und politischen Bedingungen förderten oder behinderten die parlamentarische Arbeit von Frauen? Hat ihnen die Politik Spaß gemacht?

Das vorliegende Buch kann leider nicht alle diese Fragen umfassend beantworten; als wir mit den Recherchen begannen, war keine der 15 Stadtverordneten der Weimarer Republik noch am Leben. Mehr als das verwunderte uns aber, daß ihre parlamentarische Arbeit fast keine Zeugnisse hinterlassen hatte. Obwohl diese Frauen sich ins öffentliche Leben begeben hatten, waren nach kaum 60 Jahren nicht einmal ihre Namen bekannt. In den historischen Darstellungen über die Weimarer Republik in Kassel werden die weiblichen Stadtverordneten so gut wie nicht erwähnt; selbst die parteieigenen Veröffentlichungen übergehen die Frauen in ihrer Geschichte, widmen ihnen höchstens ein paar Zeilen. Darüber hinaus sind die Protokolle der Stadtverordnetenversammlung aus der ersten Legislaturperiode von 1919 bis 1924 nicht erhalten. Es wäre sicher interessant gewesen, den Verlauf der konstituierenden Sitzung nachzulesen, möglicherweise die Antrittsrede einer Frau im Stadtparlament zu finden.

Nachdem sie in kleineren Abhandlungen (Gilla Dölle / Cornelia Wenzel: "Wenn man mich zu einer Tür hinauswirft ..." Frauenrundgang, in: Kassel zu Fuß. 17 Stadtrundgänge durch Geschichte und Gegenwart, Hamburg 1988, S.109-127; "Aus der Rolle gefallen". Frauen und Politik 1918-1933, in: Weibsbildung - Wie Frauen trotz allem zu Wissen kamen, Berlin 1990, S. 107-10.) zumindest namentlich genannt wurden, entstand als erstes größeres Projekt eine Ausstellung, die vom 1. bis 30. Juni 1992 im Kasseler Rathaus gezeigt wurde und vom Archiv der deutschen Frauenbewegung und dem Frauenbüro der Stadt Kassel gemeinsam getragen wurde. Die Recherchen zu dieser Ausstellung ergaben, daß die Geschichte der 15 ersten weiblichen Stadtverordneten lohnte, weiter erforscht und veröffentlicht zu werden. So entstand die Idee zu diesem Buch.

Über Archivrecherchen, die immer wieder Mosaiksteinchen aus dem Leben und der Arbeit der Politikerinnen zutage förderten, Berichte in Zeitungen und vor allen Dingen die freundliche Auskunftsbereitschaft von Kindern und Enkeln von einigen dieser Frauen gelang es uns, ein einigermaßen vollständiges Bild zu erarbeiten.

Dieses Buch soll die kurzen Darstellungen der vorhergehenden Veröffentlichungen und der Ausstellung vertiefen und ergänzen. Im Zentrum stehen die biographischen Skizzen der 15 ersten weiblichen Stadtverordneten Kassels. Daneben wird ein Überblick über die politische und wirtschaftliche Situation in Kassel zwischen 1918 und 1933 gegeben, über die Wahlrechtsbewegung, die Wahlen und deren Ergebnisse in Kassel informiert und einige der Debatten in der Stadtverordneten-Versammlung auszugsweise widergegeben. Der Anhang dokumentiert, daß die 15 Pionierinnen trotz der erzwungenen Unterbrechung während des "Dritten Reiches" nach 1945 Nachfolgerinnen gefunden haben.




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