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Band 7
Astrid Otto: Schreibende Frauen des 19. Jahrhunderts in Kassel und Nordhessen. Lebensläufe und Bibliographien, (Schriftenreihe des Archivs der deutschen Frauenbewegung, Bd. 7), Kassel 1990, 210 S., Abbildungen, ISBN 3-926068-07-8



Info:

Aus der Einleitung
Obgleich mehrere der hier vorgestellten 56 Schriftstellerinnen, z.B. Ferdinande von Brackel, Sophie Junghans, Therese Keiter, Nataly von Eschstruth, zu ihrer Zeit überregional bekannt waren, ihre Schriften mehrere oder sogar sehr hohe Auflagen erreichten und z.T. in andere europäische Sprachen übersetzt wurden, sind sie dennoch in Vergessenheit geraten. Einer breiteren Öffentlichkeit sind diese Frauen, die im heutigen Sprachgebrauch als Bestsellerautorinnen bezeichnet würden, nicht einmal mehr namentlich bekannt, von ihren Schriften ganz zu schweigen.

In den Literatur-Lexika, auch in denen neueren Datums, sind zwar diese Schriftstellerinnen aufgenommen, nicht unbedingt aber jene, die eine quantitativ geringere literarische Produktion hinterlassen haben oder viele Veröffentlichungen vorrangig in lokalen Zeitschriften hatten. Anscheinend werden Autorinnen, die schon zu ihren Lebzeiten Eingang in die Nachschlagewerke fanden, immer wieder mit aufgeführt, während die seinerzeit nicht erfaßten auch nachträglich nicht aufgenommen werden. Dies zeigt im Grunde schon, daß bei schreibenden Frauen die Kriterien für ihre Aufnahme in die Literaturgeschichte kaum faßbar sind. In einigen Fällen mag der Bekanntheitsgrad, in Verbindung mit einer großen Zahl von Veröffentlichungen, maßgebend gewesen sein.

Daß die vorgestellten Schriftstellerinnen und ihre Werke heute unbekannt sind, trotz ihrer Bedeutung für Kassel und den nordhessischen Raum, hängt sicherlich nicht (nur) mit der Qualität ihrer literarischen Produktion zusammen. In diesem Kontext muß sich vergegenwärtigt werden, daß die Literaturwissenschaft und -geschichte, der Literaturbetrieb in der Regel von Männern geprägt und beherrscht wurden, "die nach ihren Maßstäben entschieden, ob ein Werk gedruckt, verlegt und tradiert wurde". (Gisela Brinker-Gabler: Deutsche Dichterinnen vom 16. Jahrhundert bis zur Gegenwart, Frankfurt/M. 1978, S. 15). Trotz der umfangreichen literarischen Tätigkeit von Frauen in den vergangenen Jahrhunderten ist in Literaturgeschichten nur wenig davon besprochen. "Literaturgeschichte ist ein Teil der Geschichte des gesellschaftlichen Ganzen, und so wie diese als Geschichte einer männlich strukturierten Gesellschaft die Beiträge der Frauen nicht objektiv darstellt, so auch nicht die Literaturgeschichte". (Gisela Brinker-Gabler, a.a.O., S. 17). Dies mag die Erklärung dafür sein, daß die hier präsentierten schreibenden Frauen in der Forschung bislang unbeachtet blieben. Es ist zu hoffen, daß die vorliegende Materialsammlung dazu anregen wird, sich mit diesen Frauen und ihren Schriften zu beschäftigen. ...




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