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Band 1 und 2
Sabine Hering/Cornelia Wenzel: Frauen riefen, aber man hörte sie nicht. Die Rolle der deutschen Frauen in der internationalen Frauenfriedensbewegung 1893-1933 sowie Quellenband, (Schriftenreihe des Archivs der deutschen Frauenbewegung, Bd. 1 u. 2), Kassel 1986, 179 u. 129 S., ISBN 3-926068-00-0 und 3-926068-01-9
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Das Vorwort zu Band 1
FRAUEN RIEFEN -
nicht nur nach politischen Rechten, nach Bildung und Berufsarbeit und nach rechtlicher Gleichstellung. Sie erhoben ihre Stimme auch laut und vernehmlich in der Auseinandersetzung um Krieg und Frieden.
Die Rufe sind verhallt, wurden damals zwar gehört, doch kaum zur Kenntnis genommen; heute sind sie im historischen Schlachtenlärm fast gänzlich untergegangen. Lediglich den Sozialistinnen unter ihnen wird - vor allem in der DDR-Literatur - Erwähnung zuteil, von den bürgerlichen Pazifistinnen findet sich in konventionellen Geschichtsbüchern bestenfalls ein Hinweis auf Bertha von Suttner.

Im Bereich der Frauenforschung rückte das Engagement von Frauen für den Frieden in den letzten Jahren schon eher ins Blickfeld. Hier sei vor allem auf die Bände von Elisabeth Brändle-Zeile: Seit 90 Jahren Frauen für den Frieden, hg. von Die Grünen, Schorndorf 1983; Gisela Brinker-Gabler Hg.: Frauen gegen den Krieg, Frankfurt/M. 1980; Gerda Guttenberg: Das Recht auf den eigenen Körper. Helene Stöcker, Sozialreformerin, Schriftstellerin, Politikerin, Revolutionäre Pazifistin, Frankfurt/M. 1982 und Herrad Schenk: Pazifismus in der ersten Friedensbewegung, in: R. E. Geiger / A. Johannesson (Hg.): Nicht friedlich und nicht still, München 1982, S. 156-169, verwiesen.

Es waren Frauen unterschiedlicher politischer Couleur, die sich für die Schaffung und Erhaltung des Friedens einsetzten, mit doch letztlich ähnlichen Beweggründen. Und mit Analysen und Forderungen, die zum großen Teil heute so aktuell sind wie zu jener Zeit. So schrieb Helene Stöcker 1928: "Wir haben keine Zeit zu warten, wie uns bequeme Freunde oft raten. Fluch der 'Geduld'! Denn das Tempo der technischen Entwicklung - die bisher fast ausschließlich in den Dienst des Todes, der Vernichtung gestellt wurde -, ist dem der psychologischen Umwandlung so überlegen - jeden falls bisher so überlegen gewesen -, daß die Kühnheit und Grandiosität menschlicher Erfindungen paradoxerweise die Menschheit in Nichts aufzulösen droht. Wird jene mögliche moralische Höherentwicklung noch Zeit haben, sich zu entfalten?" (Helene Stöcker, zitiert nach Barbara Brinker-Gabler, a.a.O., Seite 110f.).

Die Aktualität des Themas und der Wunsch, diesen Frauen den ihnen gemäßen Stellenwert in der Geschichte zukommen zu lassen, waren die Gründe für das Archiv der ersten deutschen Frauenbewegung, sich mit der "Rolle der deutschen Frauen in der internationalen Frauenfriedensbewegung" zu befassen.

Das Ergebnis ist ein vorläufiges. Wie so oft in der Frauengeschichtsforschung, scheint uns hier die Spitze eines Eisberges sichtbar geworden zu sein. Einige Fragen sind offen geblieben, andere im Laufe der Arbeit erst entstanden. Ihnen nachzugehen, erfordert mehr Zeit und Geld als uns zur Verfügung stand und muß daher zukünftigen Forschungen vorbehalten bleiben.

FRAUEN RIEFEN -
doch riefen sie mit einer Stimme?
Die Sozialistinnen verbanden den Ruf nach Frieden mit dem Ruf nach Revolution - ein für sie konsequenter, untrennbarer Zusammenhang. Die Pazifistinnen hielten den dauerhaften Frieden vor allem durch internationale Schiedsgerichtsbarkeit und Institutionen wie den Völkerbund für realisierbar.

Für die Sozialistinnen war der Einsatz der Frauen ein wesentlicher Faktor im Kampf gegen den Krieg - für die Pazifistinnen waren Frauen mehr als das: die Garantinnen für eine friedliche Welt kraft ihrer spezifisch weiblichen Prädisposition.

Unterschiede in grundsätzlichen Fragen also. Entsprechend zurückhaltend sind die Beziehungen zwischen den Lagern, sie beschränken sich auf gelegentliche Grußadressen bei der einen oder anderen Konferenz und auf einzelne persönliche Kontakte.

Ist es angesichts dessen legitim, von der Frauenfriedensbewegung zu sprechen?

Marianne Koerner (deren Untersuchung allerdings nur den Zeitraum von 1914-1918 umfaßt), verneint dies: "Die Klassenlage, nicht die Geschlechtszugehörigkeit, bildete das bestimmende Moment des Friedensengagements der Frauen. Sie war gleichzeitig auch das Trennende, das die Frauen daran hinderte, eine gemeinsame Frauenfriedensbewegung während des ersten Weltkrieges zu entwickeln." (Marianne Körner: Friedensbestrebungen im deutschen Kaiserreich am Beispiel von Aktivitäten der Frauenbewegung während des Ersten Weltkrieges, unveröffentlichte Hausarbeit zur Erlangung des Magistergrades, Göttingen 1983, Seite 242).

Wir möchten dem eine Definition von Rosa Mayreder aus dem Jahre 1925 entgegenhalten. Sie bezeichnet dort "Bewegung" als ".. , die Tendenz, ... eine Anzahl Menschen zu vereinigen, um in das Gemeinschaftsleben eine neue Bewegung zu bringen. Das Moment der Bewegung ist dabei so ausschlaggebend, daß man gegenwärtig jede durch bestimmte Anschauungen und Forderungen vereinigte Gruppe als Bewegung schlechtweg bezeichnet, ... deren gemeinsames Merkmal, so verschieden ihre Ziele auch sein mögen, vornehmlich darin besteht, daß sie eine organisierte Tätigkeit zur Verwirklichung ihrer grundlegenden Forderungen in einer ihnen feindlichen oder widerstrebenden Umgebung entfalten." (Rosa Mayreder: Der typische Verlauf sozialer Bewegungen, Wien/Leipzig 1925, Seite 8).

In diesem Sinne können die friedenspolitisch engagierten Frauen durchaus als "Frauenfriedensbewegung" bezeichnet werden, wenngleich es in ihren verschiedenen Teilen Überschneidungen zu anderen, nämlich der Frauen-, Friedens- und Arbeiterbewegung gegeben hat. Doch auch diese letztgenannten sind ja ganz erheblich durch Fraktionierungen aufgrund unterschiedlicher Auffassungen über Weg und Ziel gekennzeichnet. Die im Laufe der Arbeit immer deutlicher werdende Vielschichtigkeit der Frauenfriedensbewegung zwang uns, den Forschungsgegenstand einzugrenzen. Weitgehend vernachlässigt werden mußten die aktiven Frauen in den Organisationen der bürgerlichen Friedensbewegung, wie z. B. im Frauenbund der Deutschen Friedensgesellschaft oder im Bund Neues Vaterland, der späteren Liga für Menschenrechte.

Als Schwerpunkte kristallisierten sich die Internationale Frauenliga für Frieden und Freiheit (IFFF) - die einzige reine Frauenfriedensorganisation - und die Aktivitäten der sozialistischen Frauen heraus. Ihren Versuchen, das Rad der Geschichte zu wenden, ihren Rufen nach Frieden und der Frage, ob sie sich Gehör verschaffen konnten, soll in dieser Arbeit nachgegangen werden.

Unser Dank gilt dem Hessischen Ministerium für Kunst und Wissenschaft, das durch die Förderung mit Mitteln aus dem Aktionsprogramm für Frauen dieses Forschungsprojekt ermöglichte und unseren Kolleginnen im Archiv der ersten deutschen Frauenbewegung, die uns ermutigten, unterstützten und entlasteten.

Kassel, im April 1986
Sabine Hering Cornelia Wenzel




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