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Zur Geschichte des Arbeitskreises

Angelika Schaser: Der Arbeitskreis historische Frauen- und Geschlechterforschung 1990-2015. Wissenschaftliche Professionalisierung im Netzwerk, Hamburg 2015, 12,50 Euro

1990 wurde der Arbeitskreis Historische Frauenforschung als deutsches Komitee der International Federation for Research in Women’s History gegründet. Seine Initiatorinnen schufen damit die Basis für ein Netzwerk, das bis heute den wissenschaftlichen Austausch zwischen allen an der historischen Frauen- und Geschlechterforschung Interessierten fördert. 1999 in Arbeitskreis Historische Frauen- und Geschlechterforschung umbenannt und 2007 in die Vereinsform überführt, trug der Arbeitskreis entscheidend zur Entwicklung dieses innovativen Feldes der Geschichtswissenschaft bei. 2015 erhielt er für seine Aktivitäten den Margherita-von-Brentano-Preis der Freien Universität Berlin.

Geschrieben hat das Buch Angelika Schaser, Professorin für Neuere Geschichte an der Universität Hamburg. Zu beziehen ist das Buch über das Archiv der deutschen Frauenbewegung. Bitte schreiben Sie eine Mail mit Ihrer Bestellung. Bitte vergessen Sie nicht anzugeben, wieviel Bücher Sie haben möchten und geben Sie ihre Postadresse an!

Das Buch kostet im Inland 12,50 Euro plus 1,50 Euro Versand; bei Versendungen ins Ausland beträgt das Porto 3,50 Euro.

Hier finden Sie die HSozKult-Rezension zum Buch.


Helene Stöckers Lebenserinnerungen

Helene Stöcker - Lebenserinnerungen. Die unvollendete Autobiographie einer frauenbewegten Pazifistin, hrsg. von Reinhold Lütgemeier-Davin und Kerstin Wolff, in Kooperation mit der Stiftung Archiv der deutschen Frauenbewegung, Köln / Wien (Böhlau-Verlag) 2015, 39,90 Euro

Helene Stöcker wurde 1869 in Elberfeld (Wuppertal) geboren und schloss als eine der ersten Studentinnen 1901 ihre Dissertation ab. Ab 1904 begann sie ihre Arbeit an der "Neuen Ethik", eine Philosophie, die die Liebe zwischen Mann und Frau und das daraus resultierte Kind ins Zentrum stellte. 1905 gründete sie den Bund für Mutterschutz.

Mit Beginn des Ersten Weltkrieges - der sie völlig überraschte - begann sie ihr pazifistisches Engagement, welches sie bis 1933 aufrechterhielt. In ihre Lebenserinnerungen ist auch ihr Kriegstagebuch mit aufgenommen, aus dem das Entsetzen über den Kriegsausbruch 1914 deutlich wird. So schrieb sie am Tag der Mobilmachung: "Ein Tag unsagbarer Spannung zwischen Furcht und Hoffnung. Ich musste mich zu Bett legen, weil die ungeheure Qual der Ungewissheit über meine Kräfte ging. Um 6 Uhr kam die Nachricht der Mobilmachung. Zugleich tausend Gerüchte. Der serbische Thronfolger sollte ermordet sein. Das traf aber nicht zu. Dagegen ist Jean Jaurès ermordet, der Hort des Friedens. Der ist wirklich tot. Das Völkermorden kann also beginnen. Was ist nun noch Gutes auf dieser Erde zu erwarten?" (Lebenserinnerungen, S. 188)

Die Idee, eine Autobiographie zu verfassen, nahm sie mit ins Exil. In der Schweiz und in den USA entstanden die größten Teile der leider unvollendet gebliebenen Erinnerungen. Diese wurden nun zum ersten Mal mit einer wissenschaftlichen Einordnung und vielen Bildern versehen abgedruckt. Damit soll den wenigen Autobiographien von Frauen aus den liberalen und radikalen Bewegungen in Kaiserreich und Weimarer Republik ein weiteres wichtiges Werk an die Seite gestellt werden. Eine Stimme wird wieder hörbar gemacht, die durch die nationalsozialistische Vertreibung ihre Gestaltungsmöglichkeit verlor.

Das Buch ist über den Buchhandel zu beziehen und kostet 39,90 Euro.

Pressestimmen

„Der Text lässt das Charakterprofil Stöckers klarer hervortreten, als es der Forschung, namentlich der historischen Friedensforschung und der Genderforschung, bisher zugänglich war. Überdies fügt er der Kenntnis der Biographie Stöckers wichtige Details hinzu. Er gewährt Einblicke in den großen Personenkreis, mit dem Stöcker sich im Gedankenaustausch befand und mit dem ihr Verabredungen über gemeinsames Agieren möglich waren. […] Die Edition beeindruckt überdies durch kompetente und akribische Kommentare sowie durch biographische Informationen zu den zahlreichen im Text erscheinenden Personen.“ Karl Holl, Frankfurter Allgemeine Zeitung 30.6.2015

„Die HerausgeberInnen haben die Fragmente der Lebenserinnerungen in eine gut lesbare, meist chronologisch angeordnete Fassung gebracht. Der von ihnen gewählte ‚Mittelweg zwischen wissenschaftlich exakter Edition und einer gut zu lesenden Fassung für nicht primär wissenschaftlich interessierte Leserinnen und Leser‘ erweist sich sowohl für die Forschung als auch das interessierte Publikum als gangbar. Beide werden sich dem Buch mit Gewinn widmen. […] Nun, ein halbes Jahrhundert später, […] [werden Helene Stöckers] Lebenserinnerungen zumindest in der Forschung auf reges Interesse stoßen. Denn es versteht sich, dass der vorliegende Band für weitere Erkundungen der Frauenbewegung um 1900 und der Friedensbewegung im und nach dem Ersten Weltkrieg eine wichtige Quelle bildet.“ Rolf Löchel, 17.7.2015 http://www.literaturkritik.de/public/rezension.php?rez_id=20876

"Mit einem Blick auf das Ganze haben sich die HerausgeberInnen für ein hoch interessantes Format entschieden, eine Kombination von kommentierter Quellenedition und kritischer Literatur zum Inhalt des Quellentextes. Der Ansatz ist – insbesondere durch die Bearbeitung des Manuskriptes – leserorientiert, was LeserInnen ohne Fachwissen auf diesem Gebiet den Einstieg erleichtert. Auch Fachleuten sei die Lektüre dieses Bandes wärmstens empfohlen, der für weiterführende Forschungen zu Frauenbewegung und Pazifismus und Netzwerkanalysen in sozialen Bewegungen eine hochqualitativ aufgearbeitete Materie verfügbar macht." Anne-Laure Briatte-Peters, am 23.9.2015 auf HSozKult


Weitere Publikationen

Diese Publikationen sind u.a. im Rahmen von Projekten der Stiftung Archiv der deutschen Frauenbewegung entstanden und wurden in verschiedenen Verlagen veröffentlicht. Sie sind über den Buchhandel, in einigen Fällen nur noch antiquarisch bzw. über die Stiftung zu erwerben.

Helke Dreier / Regina Löneke: Karrieren von Frauen sind Drahtseilakte. Frauenverbände als Netzwerke der Karriereförderung, Opladen : Barbara Budrich Verlag 2014, 190 S., ISBN 978-3-8474-0141-4, 19,90 Euro

Frauenverbände verfügen über das Wissen und das Potenzial zur Karriereförderung von Frauen. Vernetzung, Unterstützung und Beratung sind wesentliche Voraussetzungen für eine erfolgreiche Karriere. Welche Rolle spielen Frauenverbände hierbei und inwiefern wirkt sich die Mitgliedschaft in einem Frauenverband karrierefördernd aus? Diese Fragen stellten sich Helke Dreier und Regina Löneke am Beginn ihrer Untersuchung und daran anknüpfend:
Welche Motive spielen für das Engagement in einem Frauenverband eine Rolle?
Wie vereinbaren die Akteurinnen Karrierestreben und Weiblichkeitsvorstellungen?
Welchen beruflichen und karrierefördernden Nutzen ziehen vor allem junge Frauen aus dem Engagement in einem Frauenverband?
Neben der Beschreibung der unterstützenden Faktoren der Verbände zeigen die Autorinnen auf, wie tradierte Vorstellungen von Geschlechterrollen die Karrieren und den beruflichen Erfolg von Frauen noch immer behindern.


Julia Paulus / Eva-Maria Silies / Kerstin Wolff (Hg.): Zeitgeschichte als Geschlechtergeschichte. Neue Perspektiven auf die Bundesrepublik, Frankfurt a.M. : Campus 2012, 336 S, ISBN 978-3-593-39742-9, 39,90 Euro

In der Zeitgeschichte herrscht die These einer fortschreitenden Emanzipation der Frauen seit den 1950er-Jahren vor. Bei genauerer Betrachtung ergibt sich allerdings ein anderes Bild. Anhand von Thmenfeldern wie »Beruf und Familie«, »Sexualitäten und Körper« und »Partizipation und Protest« wird in diesem Band die Gesellschaftsordnung der Bundesrepublik einer geschlechterhistorischen Analyse unterzogen. Dabei wird deutlich, dass sich gesellschaftlich tief verwurzelte Vorstellungen über Geschlechterrollen nur langsam veränder - egal, ob in Zeiten der Stagnation oder eines dynamischen Wandels.

Pressestimmen
"Somit kann als Ergebnis der in diesem Tagungsband vereinten Beiträge die Formulierung eines Forschungsdesiderats festgehalten werden: Die Geschlechtergeschichte kann und sollte zu einer Erweiterung der Perspektiven, Paradigmen und Deutungsmuster der allgemeinen Geschichte beitragen. Sie sollte sich nicht auf eine Prüfung derselben beschränken, sondern eigene Interpretationsmuster formulieren. Denn Geschlechtergeschichte ist kein unnötiger, obschon interessanter Seitenblick, die politisch korrekterweise erwähnt werden sollte. Geschlechtergeschichte ist integraler Bestandteil aller anderen Geschichten". Sonja Dolinsek, querelles-net.de, 14. Jg., Nr. 4, 2013

"Der Sammelband macht deutlich, dass die üblichen zeithistorischen Interpretationsmuster zwar häufig mit dem Gestus der Allgemeingültigkeit auftreten, aber geschlechtergeschichtliche Lücken haben, die nicht einfach im Rahmen der etablierten Konzepte „gefüllt“ werden können. Vielmehr müssen in einem nächsten Schritt neue Muster entwickelt werden, die es ermöglichen, ambivalente Entwicklungslinien zu untersuchen und damit einen umfassenderen Rahmen zu bieten". Christina Herkommer, HSozKult, 18.01.2013


Politische Netzwerkerinnen. Internationale Zusammenarbeit von Frauen 1830-1960, hg. von Eva Schöck-Quinteros / Anja Schüler / Annika Wilmers / Kerstin R. Wolff, Berlin : trafo 2007, 381 S., zahl. Abb. ISBN 978-3-89626-641-5, 40,80 Euro

Dieser Sammelband stellt in 15 Beiträgen die Entwicklung der internationalen Frauenbewegungen im 19. und 20. Jahrhundert vor. Ein besonderes Augenmerk liegt dabei auf der Entstehung von politischen Netzwerken jenseits der traditionellen Geschichte internationaler Frauenorganisationen. Die englischen und deutschen Aufsätze gehen zurück auf eine Tagung, die im September 2005 an der Universität Bremen stattfand. Sie reichen von den frühen internationalen Kontakten der Frauenbewegungen im Europa der 1848er Revolution über die Hochzeit des Internationalismus um 1900 bis zur Frauenfriedensarbeit nach dem Zweiten Weltkrieg. In allen Beiträgen wird deutlich, dass sich die nationalen Frauenbewegungen als eine große soziale Bewegung verstanden und dass der internationale Austausch ein wichtiger Motor ihrer Arbeit war.


Elke Schüller: Marie Stritt - Eine »kampffrohe Streiterin« in der Frauenbewegung (1855-1928); mit dem erstmaligen Abdruck der unvollendeten Lebenserinnerungen von Marie Stritt, Königstein i.T. : Helmer Verlag 2005, 294 S., zahlr. Abb., Personenreg., ISBN 978-3-89741-178-4, 29,90 Euro

Zum 150. Geburtstag am 18. Februar 2005: Marie Stritts Lebenserinnerungen, kombiniert mit ihrer politischen Biografie.
Sie war eine der bedeutendsten und charismatischsten Protagonistinnen der bürgerlichen Frauenbewegung in Deutschland. Die ausgebildete Schauspielerin führte elf entscheidende Jahre lang den Bund Deutscher Frauenvereine, leitete über zwanzig Jahre dessen weit verbreitete Zeitschrift und erwarb sich in den internationalen Frauenorganisationen hohes Ansehen. Außerdem gehörte Marie Stritt zu den herausragenden Persönlichkeiten der Frauenstimmrechtsbewegung und wurde 1918 schließlich auch noch zur linksliberalen Parteipolitikerin. Als Grenzgängerin und Vermittlerin zwischen dem gemäßigten und dem radikalen Flügel der Frauenbewegung war sie keineswegs unumstritten und erwies sich in zahlreichen Auseinandersetzungen als ›kampffrohe Streiterin‹. Das hier angekündigte Buch, im Rahmen eines Forschungsprojektes im Kasseler Archiv der deutschen Frauenbewegung entstanden, ist ein biographisches und historisches Zeugnis dieser Pionierin im Kampf für die Frauenrechte.


Ortrud Wörner-Heil: Sophie Henschel (1841-1915). Lokomotivfabrikantin und Stifterin, Kassel : euregioverlag 2004, zahlr. Abb., ISBN 978-3-933617-19-4, 20,00 Euro

Sophie Henschel, Deutschlands erste Lokomotivfabrikantin, setzte gleich in mehreren Bereichen neue Maßstäbe: als Mäzenin, im Wohlfahrtswesen und als Unternehmerin. Sie ging selbstbewusst und unabhängig mit ihrem Geld um und war sowohl als Fabrikantin als auch als Stifterin wegweisend für zukünftige Generationen. Als langjährige Vorsitzende des Kasseler Frauenvereins des Roten Kreuzes begründete sie eine besondere Stiftungskultur von Frauen, die zur Bildung einer Solidargemeinschaft der Stadtbürger beitrug. Ohne im Besitz politischer Staatsbürgerinnenrechte zu sein, partizipierten Frauen durch ihr Vereinsengagement an den öffentlichen Belangen und beeinflussten unter Sophie Henschels Leitung entscheidend die Stadtentwicklung. Sowohl auf Vereins- wie auf Unternehmensebene setzte sie Dimensionen einer modernen Sozialfürsorge um, die an der Wiege des sich erst bildenden Wohlfahrtsstaates standen. In dem hier angekündigten Buch, das auf ein Forschungsprojekt im Kasseler Archiv der deutschen Frauenbewegung zurückgeht, ist eine erfolgreiche ´Anstifterin´ zu entdecken, die andere motivierte, es ihr nachzutun, die nicht Alleingänge schätzte, sondern gemeinschaftliche und kooperative Aktionen präferierte. Dabei blieb ihr Wirken nicht nur auf das lokale Geschehen in Kassel bezogen: Ihre Unternehmungen beeinflussten die regionale Entwicklung der Provinz Hessen-Nassau auf vielfältige Weise sowie darüber hinaus auch das nationale Geschehen.


Kerstin Wolff: »Stadtmütter«. Bürgerliche Frauen und ihr Einfluss auf die Kommunalpolitik im 19. Jahrhundert (1860-1900), Königstein i.T. : Helmer Verlag, 2003, 288 S., ISBN 978-3-89741-122-7, 24,95 Euro

»Frauen hatten in der Kommune des 19. Jahrhunderts keinerlei Einflussmöglichkeiten, sie waren politisch rechtlos!« Diese Sicht blieb in der Forschung lange unwidersprochen. Kerstin Wolff ist ihr einmal nachgegangen und hat hinterfragt, ob tatsächlich alle Frauen im 19. Jahrhundert politisch einflusslos waren. Dabei hat die Autorin sich exemplarisch der Stadt Harburg (heute Hamburg-Harburg) angenommen und festgestellt, dass bürgerliche Frauen durchaus Mittel und Wege fanden, sich politisch einzumischen und die Kommunalpolitik vor Ort in ihrem Sinne zu beeinflussen. Ihre These, dass Harburg keineswegs ein Sonderfall ist, weist darauf hin, dass der kommunalpolitische Einfluss von Frauen wohl in jeder größeren Stadt des Kaiserreichs gefunden werden kann; man muss nur bereit sein, danach zu suchen.


Sabine Hering / Gudrun Maierhof: Die unpässliche Frau. Sozialgeschichte der Menstruation und Hygiene, Frankfurt/M.. : Mabuse Verlag, 2002, 260 S., zahlr. Abb., ISBN 3-933050-99-5, 19,90 Euro (Erstveröffentlichung 1991 beim Centaurus Verlag)

In diesem reich illustrierten Buch beschreiben die Autorinnen die medizinischen Theorien, die Volksmeinungen und die hygienischen Vorschriften über die Menstruation von der Antike bis heute. Sie gehen von der These aus, dass es immer schon einen direkten Zusammenhang zwischen Menstruation und Hygiene und der gesellschaftlichen Stellung der Frauen gab. Dabei arbeiten sie heraus, welche Mythen und absonderlichen Theorien über den natürlichsten Vorgang der Welt bis heute vorherrschen. Immer noch beeinflussen Theorien über die Giftigkeit des Blutes die Frauen im Umgang mit der Regel. Und so ist das Buch eine anschauliche und spannende Geschichte nicht nur für Frauen.

»Kenntnisreich, dabei sehr lesbar und verständlich, ab und zu mit einem Schuss Polemik gegen männlich-medizinische Ignoranz, führen die Autorinnen uns vor, wie die Vorstellung von der weiblichen Krise, von der unausweichlich regelmäßigen Krankheit entstanden ist, aber auch wie sich Frauen im Verlauf der Emanzipation gegen die vermeintliche Leistungsschwäche, gegen die chauvinistische Theorie von der natürlichen Frauenneurose zur Wehr gesetzt haben. (...) Ob als naturgegebenes Übel oder - so neuerdings ein amerikanischer Mediziner - als überflüssiger Zivilisationsschaden, wie die Tage erlebt werden, hängt von der Biographie und dem jeweiligen Selbstbewusstsein einer Frau ab, das durch die Lektüre (...) nur wachsen kann: Ein gelungenes Buch über ein heikles Thema. Auch für Männer verkraftbar.« (Siggi Lehrmann, Hessischer Rundfunk).


Elke Schüller / Kerstin Wolff: Fini Pfannes. Protagonistin und Paradiesvogel der Nachkriegsfrauenbewegung, Königstein i.T. : Helmer Verlag, 1999, 283 S., zahlr. Abb., Personenreg., ISBN 978-3-89741-032-9, 20,50 Euro

Der Spiegel nannte sie 1955 die »populärste Frauenführerin Deutschlands«: Fini Pfannes war eine außergewöhnliche Frau. Extravagant und exzentrisch, gebildet und streitbar, engagierte sich in der Frauenpolitik der Nachkriegszeit und wirkte bei der Gründung verschiedener Frauenverbände mit. In ihren vielseitigen Tätigkeiten erwies sie sich als Multitalent: Sie war Werbeleiterin der Frankfurter Main-Gaswerke, Verfasserin mehrerer Ernährungs-Fachbücher und Geschäftsführerin des Bundes für Volksernährung. Fini Pfannes gehörte zu den Gründerinnen des Deutschen Frauenrings (DFR) und des Deutschen Hausfrauen-Bundes (DHB), dessen Landesverband Hessen mit der Herausgabe dieses Bandes an eine der schillerndsten Persönlichkeiten der Nachkriegs-Frauenbewegung erinnert.


Bürgerliche Frauenbewegung und Antisemitismus, hg. von Mechthild Bereswill / Leonie Wagner, Tübingen : Ed. Diskord, 1998, 125 S., ISBN 3-89295-642-1, nur noch antiquarisch z.B. über ZVAB bzw. Restexemplare über die Stiftung Archiv der deutschen Frauenbewegung für 9,00 Euro plus Porto

Die Beiträge des Sammelbandes beleuchten aus verschiedenen Blickwinkeln und mit unterschiedlichen methodischen Zugängen das Verhältnis zwischen den Motiven und politischen Strategien der bürgerlichen Frauenbewegung und einem weit verbreiteten gesellschaftlichen Antisemitismus. Sie gehen zurück auf eine Arbeitstagung, die im Dezember 1996 zu "Frauenbewegung und Antisemitismus" im Archiv der deutschen Frauenbewegung stattgefunden hat. Die versammelten Texte eröffnen neue Einsichten sowohl für die Antisemitismus- als auch für die Geschlechterforschung, wobei sich die Autorinnen auf sehr unterschiedliche Weise in diesen Forschungsfeldern bewegen. Allen Texten sind aber bestimmte Motive gemeinsam: Antisemitismus wird als gesellschaftlicher Code oder gesellschaftliche Norm begriffen und in seiner Bedeutung für Diskurse der Frauenemanzipation untersucht

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Gilla Dölle: Die (un)heimliche Macht des Geldes. Finanzstrategien der bürgerlichen Frauenbewegung in Deutschland zwischen 1865 und 1933, Frankfurt/M. : dipa-Verl., 1997, 271 S., Abb., Personenreg., (Siegener Frauenforschungsreihe, Bd. 2, hg. Sabine Hering), ISBN 3-7638-0361-0, nur noch antiquarisch z.B. über ZVAB bzw. Restexemplare über die Stiftung Archiv der deutschen Frauenbewegung für 9,80 Euro plus Porto

Macht und Einfluss in Politik und Gesellschaft sind ohne ökonomische Basis nicht realisierbar, und auch für die Bemühungen um Emanzipation und Gleichberechtigung ist Geld überlebensnotwendig, "denn ohne Geld und den Versuch, sich des Charmes des Geldes zu bemächtigen, sind Frauen und ihre politischen Aktivitäten zur Bedeutungslosigkeit verurteilt". Die finanzielle Ausstattung der Frauenbewegung versteht Gilla Dölle deshalb als einen wichtigen, bisher allerdings vernachlässigten Indikator für die politische Bedeutung und den Erfolg der Bewegung. In dem Buch werden sowohl die Finanzgeschäfte verschiedene Frauenvereine als auch die Vermögensverhältnisse einzelner Protagonistinnen der Bewegung untersucht. Darüber hinaus werden die aus der Bewegung heraus entstandenen Stiftungen in den Blick genommen und es wird die in Berlin zu Beginn des 20. Jahrhunderts für einige Jahre arbeitende Frauenbank vorgestellt.


Nationalsozialistische Frauenpolitik vor 1933. Dokumentation, hg. Von Hans-Jürgen Arendt, Sabine Hering und Leonie Wagner, dipa-Verlag : Frankfurt a.M. 1995, 371 S. + Anhang mit Abb., ISBN: 3-7638-0340-8, nur noch antiquarisch z.B. über ZVAB bzw. Restexemplare über die Stiftung Archiv der deutschen Frauenbewegung für 15,00 Euro plus Porto

Die Dokumentation will einen Beitrag zur Untersuchung der Frage leisten, in welchem Umfang und in welcher Weise die NSDAP vor 1933 frauenpolitische Aktivitäten entwickelte und inwieweit Frauen selbst an deren Konzipierung und Verwirklichung beteiligt waren. Der Band ermöglicht - zwischen einer geschlechtsspezifischen Variante der Kollektivschuldthese einerseits und der Tendenz, alle Frauen gleichermaßen zu Opfern der NS-Politik zu erklären, andererseits - eine nuanciertere Sicht auf die sogenannten "Kampfjahre". Die Sammlung umfasst 257 Quellen: Dokumente programmatischer Art, offizielle Erklärungen und Organisationsanweisungen der Partei, propagandistische Äußerungen aus Broschüren, Flugschriften und Presseartikeln, Auszüge aus Reden und Schriften Hitlers sowie anderer NS-Politikern und –Ideologen sowie von NS-Funktionärinnen, Gesetzesentwürfe, Passagen aus Erinnerungen, Briefen und Tagebüchern.


Gudrun Maierhof / Katinka Schröder: Sie radeln wie ein Mann, Madame. Als die Frauen das Rad eroberten, Dortmund : edition ebersbach, 1992, 158 S., Abb., ISBN 3-905493-29-2 (weitere Auflagen: Zürich : Unionsverl. 1998 und 2001), nur noch antiquarisch z.B. über ZVAB

»Ihr Männer habt uns lang geneckt / In Küch' und Kinderstub' gesteckt / Ihr sollt es jetzo büßen! / Auch wir, wir sind ein frei Geschlecht, / Und was war denn nur Euer Recht: / Wir ´treten´ es mit ´Füßen´. - Die Gläser hoch! Wir stoßen an! / Wir haben jetzt die Hosen an, / Sind frischer, frecher, freier. / Es sein Euch ein ´All Heil´ geweiht! / Ich lob mir das, ´Rad der Zeit´ - / Nun radelt an, Ihr Freier!« Ein amüsantes Buch über die Anfänge des Damenradfahrens, über die vermeintlichen Gefahren und gesundheitsschädigenden Folgen, über den Erfindungsreichtum der Damenradfahrmode - kurz: eine kleine Kulturgeschichte des Radfahrens.


Helga Haas-Rietschel / Sabine Hering: Nora Platiel - Sozialistin, Emigrantin, Politikerin. Eine Biographie, Köln : Bund-Verl., 1990, 212 S., Abb., Personenreg., ISBN 3-7663-2127-7, nur noch antiquarisch z.B. über ZVAB bzw. Restexemplare über die Stiftung Archiv der deutschen Frauenbewegung für 7,50 Euro plus Porto

Der Lebensweg der Juristin und Politikerin Nora Platiel-Block (1896-1979) wird entscheidend beeinflusst von der Begegnung mit dem Philosophen und Politiker Leonard Nelson, dem Begründer des Internationalen Sozialistischen Kampfbundes. Von ihm übernimmt sie die Überzeugung an die Beweglichkeit der politischen Verhältnisse durch die Kraft der Vernunft. Sie tritt dem Nelson-Bund bei und ist in ihm politisch aktiv, auch nachdem sie sich in Bochum als Rechtsanwältin niederlässt. 1933 entkommt sie der Verhaftung nur knapp durch die Flucht in das französische Exil. Ihr weiterer Weg führt sie über Paris in das berüchtigte Lager Gurs und über Montauban zum schweizerischen Arbeiterhilfswerk. 1949 kehrt sie nach Deutschland zurück und beginnt hier ihre Karriere als Landgerichtsdirektorin und hessische Landtagsabgeordnete. Im 84. Lebensjahr stirbt sie - inzwischen eine bedeutende und geehrte Politikerin.


Felicitas Bachmann / Manuela Döring / Helene Kelber / Leonie Wagner: Weibsbildung. Wie Frauen trotz allem zu Wissen kamen, Berlin : Elefanten Press, 1990, 152 S., Abb., ISBN 3-88520-334-0, nur noch antiquarisch z.B. über ZVAB

Tanzen Nonnen Tango? Welche hessische Frau gewann den dreißigjährigen Krieg? Wer setzte die Frauen in Bewegung? Worüber promovierte die Hausfrau? Können Frauen denken? Statt noch dümmere Fragen: Fakten, Histörchen und Lebensbilder zur Geschichte der »Weibsbildung«. Ungeachtet der gängigen Definition von Bildung wird ein breites Spektrum der Wissensaneignung dargestellt, das nicht bei Lehranstalten und Universität halt macht. Die Bäuerin des Mittelalters, die Klöpplerinnen der ersten Manufakturen, die auf dem Scheiterhaufen verbrannte Kräuterfrau, die Göttinnen der Salons, die kriegsküchekochende Soldatenfrau, die erste Rechtsanwältin und die arische Mutter, sie alle verkörperten Idealtypen ihrer Zeit. 800 Jahre Frauenlernen und -leben schildert am Beispiel der hessischen Metropole Kassel, wie Frauen auch ohne Gleichberechtigung und trotz allem zu Wissen kamen.

Ansprechpartnerin

Laura Schibbe