Gabriele StreckerGabriele Strecker
Gabriele Strecker in den 1950er Jahren
23. Nov.1954 "Politische Geburtstagsfeier", veranstaltet vom Seminar für Politik im Bund für Volksbildung, Frankfurt am Main

Gabriele Strecker und die (Frauen)politik nach 1945 - Eine weibliche Westernisierung? (1945-1965)


Laufzeit: Mai 2011 – Oktober 2012
Bearbeiterin: Tanja Roth, M.A.
Gefördert vom Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst im Rahmen des Forschungsschwerpunktes "Fokus Geschlechterdifferenzen: Theoretische Neuorientierungen, soziokulturelle Differenzierungsprozesse und internationale Entwicklungen"

Das Ziel dieses Forschungsprojektes ist es, das Konzept der 'Westernisierung' für die deutsche Nachkriegsfrauenbewegung zu prüfen. Dies soll anhand der erfolgreichen Frauenpolitikerin und Journalistin Gabriele Strecker erfolgen.
Das Konzept der Westernisierung stellt ein Erklärungsmuster für den regen Austausch zwischen den USA und der BRD dar und erklärt, wie es in einer sehr kurzen Zeit zu der deutlichen Anpassung und Vereinheitlichung Westdeutschlands an den Wertekontext der westlichen Welt nach 1945 kam.
Die Westernisierung war ein Prozess, der schon im 19. Jahrhunderts begann, aber seine volle Entfaltung erst in der Zeit nach 1945 erlangte. Durch die Niederlage Deutschlands im Zweiten Weltkrieg und der Präsenz der Amerikaner als Besatzungsmacht vor Ort, kam es zu einem deutlich engeren Kontakt zwischen der Bevölkerung Westdeutschlands und den Werten und Idealen der Amerikaner, als dies in der Zeit der Weimarer Republik möglich war. Durch die starke Präsenz der amerikanischen Soldaten im Alltag der deutschen Bevölkerung nach 1945 entstand eine intensiv Berührung zwischen den GIs und der Zivilbevölkerung. Dadurch kam es zu einem direkten Kennenlernen amerikanischer Lebensart, was vor allem bei Jugendlichen einen tiefen Eindruck hinterließ.
Neben dem direkten Einfluss durch den alltäglichen Kontrakt erfolgten gezielte Maßnahmen der Militärregierung. Entnazifizierung und Re-Education waren die ersten Schritte in der demokratischen Umerziehung der Deutschen. Diese Beeinflussung der deutschen Politik, Wirtschaft und Bevölkerung durch die Militärregierung bzw. später durch die Hohen Kommissare sorgte in kleinen Schritten für ein Aufbrechen alten Traditionen und Strukturen.
Der Ausbruch des Kalten Krieges verstärkte den Anschluss an die USA und führte in Westdeutschland zu einem starken Antikommunismus, der auf allen Ebenen vorangetrieben wurde und damit zu starken Abgrenzungsbestrebungen von der DDR.
In den bis jetzt zum Westernisierungskonzept erstellten Arbeiten wurden die Geschlechterverhältnisse nicht berücksichtigt und dies, obwohl frühere Arbeiten gezeigt haben, dass sie ebenfalls in die Dynamiken des Kalten Krieges mit einbezogen wurden.

Diese Lücke soll nun mit diesem Forschungsprojekt geschlossen werden. Anhand der Journalistin und Politikerin Gabriele Strecker soll untersucht werden, inwieweit die Westernisierung Auswirkungen auf die Frauenrolle hatte und wie sich die Geschlechterverhältnisse darstellten. Darüber hinaus soll aber auch untersucht werden, wie sich die Nachkriegsfrauenbewegung in die Westernisierung einband bzw., ob und wie sie diese gestaltete. Gabriele Strecker eignet sich ideal für dieses Vorhaben. Sie besaß als Leiterin des Frauenfunks bei Radio Frankfurt und dem späteren Hessischen Rundfunk eine wichtige Schlüsselposition zwischen Journalismus, Frauenpolitik und Parteipolitik und war die erste Deutsche, die den internationalen Kontakt zwischen den Frauenbewegungen wieder aufnahm. Auf diese Weise konnte sie wichtige spezifische frauenrelevante Themen und Fragestellungen aufgreifen, forcieren und weitergeben. Aber sie wurde so auch zur Ideenträgerin, denn aufgrund ihrer frühen Kontakte zur amerikanischen Frauenbewegung transportierte sie amerikanische Ideen sicher auch zurück in die BRD.

Ansprechpartnerin

Dr. Kerstin Wolff