FriedensdiskursFriedensdiskurs

Der Friedensdiskurs der west- und ostdeutschen Frauenorganisationen von 1945 bis 1955

Laufzeit: 1.6.2016 bis 30.11.2017
Bearbeiterin: Helke Dreier, M.A.
gefördert vom Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst

Dieses Forschungsprojekt untersucht den Friedensdiskurs der west- und ostdeutschen Frauenorganisationen in den Jahren von 1945 bis 1955. Viele der unmittelbar nach Kriegsende in allen vier Besatzungszonen entstandenen Frauengruppen und -organisationen setzten sich neben ihrem sozialen Engagement für die Schaffung eines dauerhaften Friedens ein. Mit diesem friedenspolitischen Engagement waren sie Teil einer politischen Oppositionsbewegung der Nachkriegszeit, die als ‚Ohne-mich‘-Bewegung Eingang in die Forschung gefunden hat.
Am Beispiel ausgewählter Texte der fünf einflussreichsten Frauenorganisationen der Nachkriegszeit – sowohl der späteren BRD als auch der DDR – (Demokratischer Frauenbund Deutschlands (DFD), Welt-Organisation der Mütter aller Nationen (W.O.M.A.N., deutsche Sektion), Westdeutsche Frauenfriedensbewegung (WFFB), Deutscher Frauenring (DFR), Notgemeinschaft 1947 (ab 1949 Deutscher Staatsbürgerinnen-Verband)) sollen deren Positionen zum Friedensdiskurs herausgearbeitet und analysiert werden.
Untersucht werden der von den Frauen in ihren Schriften verwendete Friedensbegriff und die damit verbundenen Geschlechterbilder und -stereotypen. Untersucht wird auch der Einfluss, den der Ost-West-Gegensatz und die mit der Gründung der beiden deutschen Staaten vollzogene Blockbindung der Bundesrepublik Deutschland nach Westen und der Deutschen Demokratischen Republik nach Osten auf die von den Frauenorganisationen vertretenen Positionen hatten. Welche Auswirkungen hatten die Systemkonkurrenz der beiden Großmächte USA und UdSSR und der Kalte Krieg auf die Debatten und das Klima zwischen den Frauenorganisationen der westlichen Besatzungszonen einerseits und dem ‚Demokratischen Frauenbund Deutschlands‘ (DFD) als Organisation der SBZ und späteren Massenorganisation der DDR andererseits? In direktem Zusammenhang hiermit steht auch die Frage, wie sich die westdeutschen Frauengruppen zu den Vorwürfen der kommunistischen Unterwanderung oder der Lenkung durch die SED positionierten.
Die friedenspolitischen Debatten der Frauenorganisationen werden zeithistorisch eingeordnet und zu den von der ‚allgemeinen Friedensbewegung‘ formulierten Themen in Beziehung gesetzt. Dabei wird vor allem auf die Thematisierung von Geschlechterrollen und -attributen und ihre Verknüpfung mit den Themen Pazifismus und Frieden geachtet werden. Zu fragen ist hierbei, ob sich der von Frauen verwendete Friedensbegriff von dem der ‚allgemeinen Friedensbewegung‘ unterschied und wenn ja, wo die Unterschiede liegen.

Ansprechpartnerinnen

Dr. Kerstin Wolff

Helke Dreier