Geschichte des FrauenwahlrechtsGeschichte des Frauenwahlrechts

Zur Geschichte des Frauenwahlrechts in Deutschland

Titelblatt der Zeitschrift Kladderadatsch, Heft 3 1919: "Damenwahl am 19. Januar" (Gustav Brandt), Bestandsnachweis: http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/kla1919/0029, CC-BY-SA-3.0.
Flugblatt „Eure Kinder brauchen Frieden und Brot. Darum Frauen wählt!“ des Auschusses der Frauenverbände Deutschlands, Berlin (1919); Illustration von Martha Jäger; Bestand: AddF, Kassel, Sign.: SK-14 ; 1 – CC BY-NC-SA 4.0.

Auf den ersten oberflächlichen Blick scheint der verlorene Erste Weltkrieg der Auslöser für das Frauenwahl- und stimmrecht in Deutschland gewesen zu sein. Denn es war der Rat der Volksbeauftragten, der am 12. November 1918, mitten in den Wirren der Revolution, erklärte, dass "alle Wahlen zu öffentlichen Körperschaften (...) fortan nach dem gleichen, geheimen, direkten Wahlrecht auf Grund des proportionalen Wahlsystems für alle mindestens 20 Jahre alten männlichen und weiblichen Personen zu vollziehen (sind; K.W.)."[1] Diese Regelung fand auch wenige Wochen später im neuen Wahlgesetz Anwendung. Dort wurde formuliert: "Wahlberechtigt sind alle deutschen Männer und Frauen, die am Wahltag das 20. Lebensjahr vollendet haben."[2] Mit diesen knappen Sätzen war eine große Wahlrechtsreform auf den Weg gebracht, das preußische Dreiklassenwahlrecht abgeschafft und mit einem Federstrich das aktive Frauenwahl- und das passive Frauenstimmrecht eingeführt worden. Würde man aus dieser Episode allerdings schließen, dass den deutschen Frauen das Frauenstimmrecht quasi in den Schoss gefallen ist, dann würde man einen jahrzehntelangen Kampf negieren, den sowohl Einzelfrauen als auch alle Flügel der Frauenbewegung bereits im 19. Jahrhundert begonnen hatten. Die Einführung des Frauenwahlrechts in Deutschland im November 1918 ist vielmehr als eine Etappe auf dem langen Weg der Demokratisierung zu verstehen, als Prozess, der ungefähr 100 Jahre vor der

Einführung begann und auch nicht 1918/19 endete. Denn, wie wir heute wissen, ist nur durch die Möglichkeit, aktiv zu wählen und passiv gewählt zu werden, die Gleichberechtigung der Geschlechter nicht zu erreichen gewesen.


Anmerkungen

[1] Der Rat der Volksbeauftragten veröffentlicht folgenden Aufruf: An das deutsche Volk!, Online-Dokument, aufgerufen am 23.02.2018 unter: http://www.1000dokumente.de/

[2]  Verordnung über die Wahlen zur verfassunggebenden deutschen Nationalversammlung (Reichswahlgesetz), vom 30. November 1918, RGBl S. 1345.

Ansprechpartnerin

Wenn Sie sich für Vorträge oder den Forschungsschwerpunkt "Frauenwahlrecht" im AddF interessieren, wenden Sie sich gerne an Kerstin Wolff