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Deutscher Frauenring (seit 1949)

"Wir Frauen aller Nationen schließen uns in der Überzeugung, dass das Wohl der Menschheit nur durch eine größere Einmütigkeit in Gedanken, Gefühlen und Bestrebungen gefördert werden kann und dass eine organisierte Bewegung dem Wohle der Familie und des Staates am besten dient, hiermit zum Bund von Frauen aller Rassen, Nationen, Glaubensbekenntnisse und Klassen zusammen, um die Anwendung der goldenen Regel in der Gesellschaft, in Sitte und Gesetz tatkräftig zu fördern: 'Tue anderen, was du willst, dass sie dir tun.'"1 Diese der universellen Ethik entstammende sogenannte 'Goldene Regel' steht in der seit der Gründung geltenden Präambel zur Satzung des Deutschen Frauenrings und beschreibt das Wertefundament, auf dem die Arbeit des Verbandes fußt.

Der Bundesverband: Aufgaben und Organisation

Der Deutsche Frauenring gründete sich im Rahmen eines Frauenkongresses, der vom 7. bis 10. Oktober 1949 in Bad Pyrmont stattfand. 600 Delegierte von 15 überparteilichen und überkonfessionellen Frauenvereinen der damaligen drei Westzonen und West-Berlins nahmen an diesem Kongress teil. Von Anfang an verstand sich der Deutsche Frauenring als Nachfolgeorganisation des Bundes Deutscher Frauenvereine (BDF) und so wurde auch die letzte Vorsitzende des BDF, Dr. Agnes Zahn-Harnack (1884-1950), Zweite Vorsitzende im Gründungsvorstand des Deutschen Frauenrings. Zur Gründungspräsidentin wurde Theanolte Bähnisch (1899-1973) gewählt.

Als bundesweit organisierter, überparteilich und überkonfessionell arbeitender, eingetragener Verein verfolgt der Deutsche Frauenring ausschließlich gemeinnützige Zwecke. Seine Arbeit wird bestimmt von dem Ziel der gleichen Teilhabe von Frauen und Männern in der Gesellschaft: "Unsere gesellschaftliche Aufgabe ist es, die Gleichstellung von Frauen und Männern zu erlangen, die Lebensbedingungen der Frauen zu verbessern", die "Chancengleichheit und gleichwertige Anerkennung von Frauen und Männern in Beruf und Familie, Gesellschaft, Politik, Wirtschaft, Kultur" zu erhöhen und Frauen "in ihrer politischen, gesellschaftlichen und ökonomischen Teilhabe" zu stärken. Der Verband setzt sich ein für eine Geschlechterpolitik, "die Männer miteinbezieht und überkommene Rollenstereotype überwindet." Erreicht werden soll dies durch ein international vernetztes Engagement zur Verwirklichung von Frauenrechten weltweit.2

Der Deutsche Frauenring gliedert sich in den Bundesverband, zwölf Landesverbände und 50 Ortsringe (Stand September 2015). Daneben gibt es Bundesfachausschüsse zu verschiedenen  Schwerpunktthemen, z. B. die Ausschüsse für Gesellschaftspolitische Bildung und Arbeit, für Medien und Öffentlichkeitsarbeit oder für Internationale Arbeit. Das Prinzip der Überparteilichkeit gilt auch für die Besetzung der Ausschüsse. Der DFR ist Mitglied in verschiedenen Dachorganisationen, u. a. im Deutschen Frauenrat (DF)3, im International Council of Women (ICW)4, in der International Alliance of Women (IAW)5 und dem Frauennetzwerk für Frieden6.

Das Engagement des DFR in Sachen Gleichberechtigung von Frau und Mann beschränkt sich nicht auf die Situation von Frauen in Deutschland. Auch in der Entwicklungsarbeit sind die Mitglieder des DFR aktiv. Die Zusammenarbeit mit Frauen aus Westafrika hat eine lange Tradition und wird bis heute nicht nur auf der Bundesebene, sondern bis hinunter in die Ortsringe aktiv gestaltet und gelebt. In den Akten des Ortsrings Frankfurt finden sich z. B. Berichte über die Projektarbeit in Burkina Faso und Togo.7 Auf Bundes-, Landes- und Ortsebene organisiert der DFR Seminare, Wochenendkurse, Studienkonferenzen und Tagungen, um über politische, kulturelle und soziale Probleme der Gegenwart sowie allgemeine Frauenfragen und Frauenberufsfragen nationaler und internationaler Art zu informieren und zu diskutieren. Mit Hilfe von Eingaben und Petitionen an die gesetzgebenden Körperschaften in Bund, Ländern und Gemeinden, an die Regierungen und die Fachausschüsse der Ministerien macht der DFR auf seine Anliegen aufmerksam.

Der Ortsring Frankfurt: Themen und Projekte

Ein Ortsring des DFR mit langer historischer Tradition war - als Nachfolgeorganisation des Frankfurter Frauen-Verbandes - der Ortsring Frankfurt, der sich 1947 im Rahmen einer Delegiertenkonferenz der hessischen Frauenausschüsse gegründet hatte. Im Juni 1949 schlossen sich die Frauenorganisationen der Westzonen zum Deutschen Frauenring zusammen und in diesem Zusammenhang wurde aus dem Frankfurter Frauen-Verband der Ortsring Frankfurt am Main. In den ersten Jahren seines Bestehens wuchs die Zahl seiner Mitglieder kontinuierlich und er avancierte zum größten Frauenverband Hessens. Er verstand sich als überparteilich und überkonfessionell und legte in seiner Satzung fest, dass der Vorstand des Verbandes "aus je einer Vertreterin der Parteien SPD, CDU, KPD und FDP sowie einer fünften, parteipolitisch nicht gebundenen Frau bestehen" solle. In den letzten Jahren seines Bestehens sank die Zahl der Mitglieder des Ortsrings kontinuierlich, so dass er zum 31. Januar 2010 aufgelöst wurde.

Nach dem Zweiten Weltkrieg setzte sich der Frankfurter Frauen-Verband, wie andere deutsche Frauenverbände auch, für eine aktive Teilnahme der Frauen am demokratischen Wiederaufbau Deutschlands ein. Die staatsbürgerliche Erziehung der Frauen verstanden sie als eine ihrer wichtigsten Aufgaben. So formulierte auch der Frankfurter Frauen-Verband in Paragraph 1 seiner Satzung die Ziele des Verbandes: "a) den Frauen ihre staatsbürgerlichen Aufgaben im demokratischen Staat zum Bewußtsein zu bringen [...]" und "b) die Interessen der Frauen auf allen Gebieten zu vertreten". Politische Bildungsarbeit sollte die Frauen im politischen Denken schulen und dazu anhalten, über politische Partizipation Mitverantwortung im Staat zu übernehmen. Eine der ersten großen Konferenzen, die der Frankfurter Frauen-Verband unter der Leitung von Fini Pfannes (1894-1967) organisierte, war der Interzonale Frauenkongreß anläßlich der Jahrhundertfeier der Nationalversammlung in der Frankfurter Paulskirche vom 22. bis 24. Mai 1948. An diesem Kongress nahmen 650 Frauen von Frauenverbänden aus den drei Westzonen und aus Berlin teil sowie geladene Gäste und Vertreterinnen ausländischer Frauenorganisationen. Bereits hier zeigte sich, dass das Thema der Gleichberechtigung von Mann und Frau von Beginn an die Aktivitäten des DFR bestimmte. So heißt es in der Entschließung des Kongresses u. a.: "Der Grundsatz, 'Gleiche Löhne für gleiche Arbeit!' muß voll verwirklicht werden. Die Frauenorganisationen werden sich mit aller Entschiedenheit gegen jede Benachteiligung der berufstätigen Frauen wenden."

Die Akten des Ortsrings Frankfurt spiegeln auch die Arbeit des Bundesverbandes. Anhand von Pressemitteilungen, Rundschreiben und Berichten der einzelnen Ausschüsse lassen sich die Positionen, die der Deutsche Frauenring zu aktuellen gesellschaftspolitischen Debatten bezog, nachvollziehen. Zu nennen sind hier z. B. eine Resolution des DFR von 1963, in der er sich für die ethische Indikation des Schwangerschaftsabbruchs aussprach und Straffreiheit für den Abbruch der Schwangerschaft nach einer Vergewaltigung forderte. Auch an der Diskussion um die Reform des Ehe- und Familienrechts Anfang der 1970er Jahre nahm der DFR regen Anteil. Berichte über Tagungsteilnahmen belegen nicht nur die Vielfalt der Themen, mit denen sich der DFR beschäftigt, sondern auch seine internationale Vernetzung, so z. B. die Unterlagen zur Teilnahme einer Delegation des Deutschen Frauenrings an der Weltfrauenkonferenz in Mexiko 1975.

Die Bestände
Im AddF befinden sich neben den Bundesverbandsakten auch Unterlagen der Ortsringe Frankfurt am Main, Kassel und Freiburg sowie Unterlagen der ehemaligen Vorsitzenden Emmy Engel-Hansen (1902-1989) und Theanolte Bähnisch.

Bundesverband
Der Bestand des Bundesverbandes des DFR kam 2015 von der Bundesgeschäftsstelle in Berlin ins AddF. Er umfasst 9,2 Regalmeter und enthält vorwiegend Schriftstücke des Bundesverbandes aus den späten 1980er Jahren bis in die frühen 2000er Jahre. Wenige Akten reichen auch bis in die 1970er Jahre zurück. Darüber hinaus gibt das vom Verband selbst zusammengestellte Archiv Aufschluss über die Gründungsgeschichte und die Entwicklung des Bundesverbandes in den Folgejahren. Hierzu gehören u. a. das Gründungsprotokoll von 1949, frühe Korrespondenz, Unterlagen zu den Hauptversammlungen, Gästebücher zu den Veranstaltungen von 1959 bis 1988 sowie Schriftgut zu Jubiläen. Vereinzelt sind auch Dokumente zum Bund Deutscher Frauenvereine in dieser Sammlung enthalten. Zudem gibt es Unterlagen aus dem Nachlass von Dora Hansen-Blancke (1895-1984), die 1917 Schülerin des ersten Jahrgangs der Sozialen Frauenschule in Hamburg war und 1946 den Hamburger Frauenring mitaufbaute. Der Nachlasssplitter umfasst u. a. einige ihrer Manuskripte und Arbeiten aus den 1920er Jahren, teilweise mit handschriftlichen Kommentaren von Gertrud Bäumer, sowie Material und Korrespondenz zu Gertrud Bäumer bis 1980. Zahlreiche, in Alben und Dokumentationen zusammengestellte, Fotografien ergänzen die schriftlichen Quellen des Verbandes. Zu großen internationalen Veranstaltungen von ICW und IAW gibt es Fotodokumentationen und neben Korrespondenz, Faltblättern und Berichten auch eine Sammlung von Satzungen des ICW ab 1936.

Ortsring Frankfurt am Main
Der Bestand kam 2005 ins AddF. Der Überlieferungszeitraum umfasst die Jahre von 1946 bis 2003. Der größte Teil der Akten stammt aus der Zeit ab 1976. Bemerkenswert ist, dass die Akten des Ortsrings Frankfurt einige Überlieferungslücken im Bestand des Bundesverbandes schließen. Zu den Akten des Ortsrings Frankfurt gehören auch Nachlass-Splitter von Uta-Maria Bodenstedt (1923-2016), die von 1976 bis zur Auflösung des Ortsrings 2010 dessen Vorsitzende war. Seit 1970 Mitglied der CDU und Stadtverordnete in Frankfurt am Main. Weitere Unterlagen des Frankfurter Frauen-Verbandes befinden sich im Hessischen Hauptstaatsarchiv, Wiesbaden im Aktenbestand des Büros für staatsbürgerliche Frauenarbeit (HHStAW, Abt. 2034).

Ortsring Kassel
Der Bestand gelangte nach der Auflösung des Ortsrings 2009 ins Archiv. Er enthält Korrespondenzen, Gästebücher u. a. und bildet nur einen kleinen Überrest. Ältere Akten waren in der Garage eines Vorstandsmitglieds gelagert und wurden dort bei einer Überflutung zerstört.

Ortsring Freiburg
Die Akten kamen 2014 über die Landeszentrale für politische Bildung des Landes Baden-Württemberg ins AddF. Bei der Sammlung scheint es sich um Splitter aus dem Nachlass von Dr. Sonja Schmid-Burgk zu handeln. Sie war die Leiterin der Außenstelle Freiburg der Landeszentrale Baden-Württemberg und Gründungsmitglied des Freiburger Frauenrings. Die Sammlung enthält u. a. Materialien der IAW und des ICW sowie Korrespondenz von Dr. Sonja Schmid-Burgk, Vorsitzende des Landesverbandes Baden (1961-1970). Außerdem befinden sich in den Akten Protokolle und Veranstaltungsunterlagen des Ortsrings Heidelberg.

Emmy Engel-Hansen
Die Rechtsanwältin Emmy Engel-Hansen (1902-1989) war von 1952 an Vorsitzende des Frankfurter Frauenverbandes und von 1956-1958 Präsidentin des DFR. In ihrem Nachlass im AddF befinden sich im Wesentlichen Manuskripte zu den Themen: Ehe-, Ehescheidung- und Familienrecht.

Theanolte Bähnisch
Theanolte Bähnisch (1899-1973) war Volljuristin, Mitglied der SPD und seit 1946 Regierungspräsidentin in Hannover und damit die erste Frau in Deutschland, die ein solches Amt inne hatte. Die Sammlung enthält Kopien von persönlichen Dokumente und Korrespondenzen zwischen 1919 und 1975.


Digitalisate

Faltblatt Frankfurter Frauen-Verband, o.D.

Satzung Frankfurter-Frauen-Verband, [vermutlich 1947]

Programm Interzonaler Frauenkongreß, 1948

Entschließung des Interzonalen Frauenkongresses, 1948

Resolution des Frauenrings zu § 160, 1963

Pressemitteilung des DFR zur Weltfrauenkonferenz Mexiko, 1975

Recherche

Online-Findbuch des Ortsrings Frankfurt am Main

Online-Findbuch des Deutschen Frauenrings

Bestände im Archiv der deutschen Frauenbewegung

Literatur

Eigene Schriften
Im Zeichen der Frau. Erste Bundesausstellung des Deutschen Frauenringes München; 21. Juli bis 6. August 1950, München 1950.

Deutscher Frauenring: Menschenrechte, Opladen 1969.

Deutscher Frauenring (Hg.): Die Frau verlangt Menschenrechte, Kronberg 1975.

Deutscher Frauenring Kassel (Hg.): 25 Jahre Ortsring Kassel, Kassel [1987].

Deutscher Frauenring e. V. Bad Nauheim (Hg.): 40 Jahre Deutscher Frauenring e.V., 7. Oktober 1989 Bonn-Bad Godesberg, Bad Nauheim 1989.

Deutscher Frauenring: 50 Jahre Ortsring Rendsburg, Berlin [1997].

Deutscher Frauenring e. V. / Landesverband Rheinland-Pfalz (Hg.): 50 Jahre Deutscher Frauenring e.V., Lampertheim 2001.

Über den Frauenring
Elke König: Der Deutsche Frauenring – Untersuchungen zu Politik und Selbstverständnis eines traditionellen Frauenverbandes in der Bundesrepublik Deutschland, Berlin 1982.

Cordula Koepcke: Frauen zeigen Flagge. Gesellschaftspolitische Arbeit in Deutschland, Opladen 1984.

Cordula Koepcke: Frauen verändern die Welt. Opladen 1997.

Elke Schüller und Kerstin Wolff: Fini Pfannes (1894-1967). Protagonistin und Paradiesvogel der Nachkriegsfrauenbewegung, Königstein/Taunus 2000.

Elke Schüller: „Frau sein heißt politisch sein“. Wege der Politik von Frauen in der Nachkriegszeit am Beispiel Frankfurt am Main (1945-1956), Königstein/ Taunus 2004.